Die nackte Haut

leseprobe

Die nackte Haut

Edition Nautilus, 216 Seiten, 18 Euro










„Übrig blieb ein eisiger Schauer, der sie jäh überfiel. Zumeist am frühen Morgen, wenn das kalte Licht des nahenden Tages durch die schmalen Fenster eines Souterrainlokals fiel und ihre Hände einem Zwang gehorchend das Stück spielten, das sie ihm gewidmet hatte. Ihm und seinem Kumpel natürlich. Taumelnde Noten, eine schwankende Melodie. Und sofort tauchten die Schreckensbilder wieder auf: zwei Tote, eine gefesselte Frau in der Badewanne, ein Revolver, eine Pistole, schwarze Rauchwolken, die kleine Madonna aus dem Konzentrationslager … Sie spielte weiter, vergaß, und war irgendwann, ohne nachzudenken, beim letzten Stück angekommen: „Some Day My Prince Will Come“. Wo ist er jetzt? Seine Spur verliert sich in Hamburg, Germany. Die U.S. Army gibt keine Auskunft über Deserteure.“

Aus der Nachbemerkung:
„Für diesen Roman habe ich Motive aus dem Leben der Jazzpianistin Jutta Hipp verwendet. Deren Karriere begann allerdings etwa ein Jahrzehnt später als die meiner Heldin Martha Kiesler. Beide wurden in Leipzig geboren. Von dort zog es Jutta Hipp zunächst nach München, Martha Kiesler nach Hamburg. Beide gingen nach Amerika, Martha allerdings schon in den 1940er Jahren. Zu dem Zeitpunkt, als Martha nach Hamburg zurückkommt, beginnt Juttas Weg zum Star der bundesdeutschen Jazzszene gerade in München beim Hans Koller Quartett.
Jutta Hipp ging erst im November 1955 nach New York und kehrte nie zurück. Ihre Biografie wurde von der deutschen Saxophonistin Ilona Haberkamp erforscht und aufgeschrieben (Plötzlich Hipp – Das Leben der Jutta Hipp zwischen Jazz und Kunst, Hofheim 2023).
Jutta Hipps künstlerisches Gesamtwerk erschien 2015 unter dem Titel Hipp is cool – The Life and Art of Jutta Hipp bei BE! Jazz Records, zusammengestellt von Ilona Haberkamp und Gerhard Evertz."


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